Das Beispiel zeigt die Anwendung des DIN‑Fachberichts bei einem Widerlager einer Straßenbrücke. Die Konstruktion besteht aus Widerlagerflügeln, einer Lagerbank und einer Pfahlkopfplatte mit Pfählen. Die Abmessungen können den nächsten Abbildungen entnommen werden.

Statisches System
Material
| Beton | C 30/37 (Flächen), C 35/45 (Pfähle) |
| Betonstahl | BSt 500/550, Achsabstand vom Rand 8 cm |
| Bettung | Horizontales Bettungsmodul 50 MN/m³ |
Querschnitt
| Flügelwände | d = 1,2 m (Querschnitt 1) |
| Lagerbank | d = 1,5 m (Querschnitt 2) |
| Pfahlkopfplatte | d = 1,2 m (Querschnitt 3) |
| Pfähle | ∅ = 1,0 m (Querschnitt 4) |
| Anforderungsklasse | D |
Das abgebildete FEM‑System wird mit Schalenelementen in Verbindung mit Biegestäben generiert. Die Grundlage für die Erzeugung des Tragwerks war eine 3D‑Zeichnung aus Rändern und Modellflächen. Hierbei wurde darauf geachtet, dass sich die Modellobjekte auf den Mittellinien bzw. ‑flächen der Tragwerksteile befinden, da die Elemente über diese beschrieben werden.
Aufsicht der Pfahlkopfplatte
Ansicht der langen Flügelwand
Ansicht der kurzen Flügelwand und der Lagerbank
Im Rahmen dieses Beispiels werden folgende Nachweise geführt:
Grenzzustand der Tragfähigkeit
| • | Biegung mit Längskraft |
| • | Querkraft |
| • | Versagen ohne Vorankündigung (Robustheit) |
Grenzzustand der Gebrauchstauglichkeit
| • | Mindestbewehrung für die Begrenzung der Rissbreite |
| • | Berechnung der Rissbreite |
| • | Begrenzung der Betondruckspannungen |
| • | Begrenzung der Betonstahlspannungen |
Auf Grund der Durchdringung werden die Nachweise nicht für die Pfahlkopfplatte geführt. Die notwendigen Vorgaben sind weiter unten aufgeführt.
Auf Grund des Umfangs wurden die Einwirkungen auf die maßgeblichen Lasten beschränkt.
| Lastfall 1 | G: Eigenlast |
| Lastfall 2 | G: Erddruck |
| Lastfall 3 | G: Überbau |
| Lastfall 4 | Q: UDL‑Gleichlast |
| Lastfall 5 | Q: TS‑Stellung 1 |
| Lastfall 6 | Q: TS‑Stellung 2 |
Lastfall 1, G: Eigenlast |
Lastfall 3, G: Überbau |
Lastfall 2, G: Erddruck |
Lastfall 4, Q: UDL‑Gleichlast |
Lastfall 5, Q: TS‑Stellung 1 |
Lastfall 6, Q: TS‑Stellung 2 |
Nachfolgend sind die für die Nachweise definierten Einwirkungen und Einwirkungskombinationen wiedergegeben.
Auf Grund der geringen Druckkräfte und der hohen Biegemomente ist in einigen Bereichen bei der Tragsicherheit der Bauzustand (G1) maßgebend.
Nachfolgend sind beispielhaft die Auflagerreaktionen Rz für die Charakteristische (seltene) Kombination dargestellt.
1. Charakteristische (seltene) Kombination
Auflagerreaktionen Rz
Bemessung nach DIN-Fachbericht 101 und 102 (2009-03)
Bemessungsvorgaben
Qu. Klasse,Vorspannung Kasten Bewehrung Ermüd. Riss- De- Spannungen
des Bauteils ARS M R B Q T S P C breite komp. Druck H-Zug S P
1 D Nicht vorgesp. . x x x x . . . . x . x . x .
2 D Nicht vorgesp. . x x x x . . . . x . x . x .
4 D Nicht vorgesp. . . x x x . . . . x . x . x .
(M) Mindestbewehrung zur Sicherstellung der Robustheit.
(R) Mindestbewehrung zur Begrenzung der Rissbreite.
(B) Längsbewehrung aus Bemessung in den Grenzzuständen der Tragfähigkeit.
(Q) (Mindest-)Querkraftbewehrung in den Grenzzuständen der Tragfähigkeit.
(T) Torsionsbewehrung aus Bemessung in den Grenzzuständen der Tragfähigkeit.
(S) Betonstahl im Spannungs- und Ermüdungsnachweis.
(P) Spannstahl im Spannungs- und Ermüdungsnachweis.
(C) Beton im Ermüdungsnachweis.
Vorgaben für den Nachweis der Längs- und Schubbewehrung
M,N Bemessungsmodus für Biegung und Längskraft:
(ST) Standard, (SY) Symmetrisch, (DG) Druckglied.
fyk Stahlgüte der Bügel.
Theta Neigung der Betondruckstreben. Der eingegebene Wert für cot Theta wird
programmseitig auf den Wertebereich nach Gl. (II-4.122) begrenzt.
Pl. Balken werden wie Platten bemessen.
Asl Vorh. Biegezugbewehrung nach Abb. 4.12, autom. Erhöhung bis Maximum.
Fak. Mindestbewehrungsgrad min rhow = Faktor * rho mit rho nach Tabelle 5.7.
x,y Getrennter Querkraftnachweis für die Bewehrungsrichtungen x und y.
cvl Verlegemaß der Längsbewehrung zur Begrenzung des Hebelarms z.
Red. Reduktionsfaktor der Vorspannung zur Bestimmung der Zugzone für die
Verteilung der Robustheitsbewehrung bei Flächenelementen.
Roh- Bem. Asl [cm²] Red.
Qu. Beton dichte Bem. fyk cot wie Abb. 4.12 Fak. Nw. cvl Vor-
[kg/m³] M,N [MPa] Theta Pl. vorh. max rhow x,y [mm] spg.
1 C30/37 . SY 500 1,75 . 0,00 0,00 0,60 . 80 .
2 C30/37 . SY 500 1,75 . 0,00 0,00 0,60 . 80 .
4 C35/45 . DG 500 1,75 . 0,00 . 1,00 . 80 .
Schubquerschnitte
bw.nom Nennwert der Querschnittsbreite bei Vorspannung nach II-4.3.2.2 (8)*P.
h.nom Nennwert der Querschnittshöhe bei Vorspannung nach II-4.3.2.2 (8)*P.
kb, kd Faktor zur Berechnung des inneren Hebelarms z aus der Nutzbreite bn
bzw. der Nutzhöhe d. z wird gemäß II-4.3.2.4.2(2)* nach oben begrenzt.
z1, z2 Höhe und Breite des Kernquerschnitts für Torsion.
teff Wanddicke des Torsionskastens.
K. Kastenquerschnitt; Ermittlung der Tragfähigkeit nach Gl. (4.47b).
Qu. Breite [m] Nutzbreite Höhe [m] Nutzhöhe Torsionsquerschn. [m]
bw bw.nom bn [m] kb h h.nom d [m] kd z1 z2 teff K.
1 1,000 . . . 1,200 . 1,120 0,90 . . . .
2 1,000 . . . 1,500 . 1,420 0,90 . . . .
4 0,707 . 0,627 0,90 0,707 . 0,627 0,90 0,547 0,547 0,160 .
Vorgaben für den Nachweis der Rissbreiten
ds Größter vorhandener Stabdurchmesser der Betonstahlbewehrung.
max.s Größter vorhandener Stababstand der Betonstahlbewehrung.
Xi1 Verbundbeiwert für Spannstahl bei Stabquerschnitten.
k Beiwert zur Berücksichtigung nichtlinear verteilter Zugspannungen.
sr,max Oberer Grenzwert für den maximalen Rissabstand nach Gl. (4.203).
Methode Direkte Berechnung der Rissbreite nach Kap. 4.4.2.4 oder
Nachweis durch Begrenzung der Stababstände nach Tab. 4.121.
DB Dickes Bauteil nach Kap. 4.4.2.2(9) zur Bestimmung von As,min.
Qu. wk,zul ds max.s Beiwert sr,max Betonalter Methode f. Kombination DB
[mm] [mm] [mm] Xi1 k [mm] As,min wk Rissbreite für As,min
1 0,20 16 . . 0,50 . 3- 5d > 28d Berechnung gem. Klasse .
2 0,20 16 . . 0,50 . 3- 5d > 28d Berechnung gem. Klasse .
4 0,15 16 . . 0,50 . 3- 5d > 28d Berechnung gem. Klasse .
Vorgaben für den Nachweis der Betonspannungen
Av Fläche des Vollquerschnitts zur Ber. der Normalsp. aus Längskraft.
fc(t) Betondruckfestigkeit zum Zeitpunkt t der Eintragung der Vorspannung.
Sigma.c(t) Betondruckspannung zum Zeitpunkt t der Eintragung der Vorspannung.
Sigma.c Betondruckspannung im Gebrauchszustand.
Sigma.x Betonspannung aus Biegung und Längskraft in Stabrichtung.
Sigma.1 Hauptzugspannung in Flächenelementen.
Sigma.x,y Betonspannungen im Schnittkraftsystem der Flächenelemente.
H-Zug Hauptzugspannung nur im Bereich von Längsdruckspannung nachweisen.
(NK,QK) Nichthäufige, Quasi-ständige Kombination.
Qu. Av fc(t) zul.sigma.c(t) zul.sigma.c Dekompression H-Zug nur bei
[m²] [MN/m²] (NK, QK) (NK) (QK) Spannung Längsdruck
1 . . . 0,60 fck . . .
2 . . . 0,60 fck . . .
4 0,77 . . 0,60 fck . . .
Den Verlauf der erforderlichen Längsbewehrung zeigen die nächsten Abbildungen.
Lange Flügelwand
| Lagerbank | Kurze Flügelwand |
Erforderliche horizontale innere Längsbewehrung für die Tragfähigkeit [cm²/m]
Lange Flügelwand
| Lagerbank | Kurze Flügelwand |
Maximal erforderliche horizontale innere Längsbewehrung [cm²/m]
| Bewehrung für die Tragfähigkeit | Maximal erforderliche Bewehrung |
Horizontale Längsbewehrung entlang der Oberkante [cm²/m]
| Bügelbewehrung [cm²/m] | Tragfähigkeitsbewehrung [cm²] |
| Bewehrung zur Rissesicherung [cm²] | Maximal erforderliche Bewehrung [cm²] |
| Betondruckspannungen σc /σc.zul [MN/m²] | Betonstahlspannungen σs /σs.zul [MN/m²] |