Pushover Berechnung eines vierstöckigen Stahlbetonrahmens

Tragwerkseigenschaften, Dynamik, Nichtlineare Systemanalyse, Ergebnisse

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Pushover Berechnung eines vierstöckigen Stahlbetonrahmens

Tragwerkseigenschaften, Dynamik, Nichtlineare Systemanalyse, Ergebnisse

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Dieses Beispiel zeigt die Vorgehensweise bei einer Pushover Berechnung anhand eines räumlichen vierstöckigen Stahl­beton­rahmens auf. Das Beispiel wurde in Anlehnung an die Veröffentlichung

OS Modeler – Examples of application, Version 1, University of Ljubljana, 2008, Matjaž Dolšek

gewählt.

Aus den Ergebnissen der Pushover-Analyse wird die Zielverschiebung für eine definierte seismische Belastung ermittelt. Die Zielverschiebung wird nach der N2‑Methode bestimmt.

 

Tragwerkseigenschaften

Die Abmessungen des Rechenmodells mit den vorhandenen Bewehrungsmengen kann den nachfolgenden Abbildungen entnommen werden. Als Material wurde C25/30 nach EN 1992‑1‑1 (Basisnorm) gewählt. Die Streckgrenze fy aller Bewehrungslagen beträgt 500 MN/m². Die Längsbewehrung ist in allen Querschnitten umschnürt.

System mit Abmessungen (yz) des Beispiels Pushover Berechnung    System mit Abmessungen (xy)     Querschnitte der Stützen

Querschnitt der Balken

Balken

beff [cm]

As,1 [cm²]

As,2 [cm²]

B3, B5

70

4,618

4,210

B1, B2, B11, B12

80

4,618

4,210

B8, B10

90

4,618

4,210

B4

110

3,848

3,079

B6, B7

130

3,848

3,079

B9

150

3,848

3,079

 

Programmseitig teilt sich die implementierte Methode in die unter "Pushover Berechnung nach EN 1998‑1:2013" be­schrie­be­nen Berechnungs­schritte auf.

 

Dynamik

Um die im Beispiel untersuchten Geschoßmassen (1.Stock 87 t, 2. und 3.Stock 86 t, 4.Stock 83 t) zu erreichen, wurden die an der Schwingung beteiligten Massen mit Massen aus Lastfällen um die fehlenden Anteile ergänzt.

Lastfall 1: G

Lastfall 1: G

Massen aus Lastfällen erzeugen

 

Lastfall     Faktor

-------------------

    1          1,00

Auszug aus dem Protokoll Finite Elemente Dynamik zur Kontrolle der berücksichtigten Massen (87+2·86+83 = 342 t):

Summe der aufgebrachten Massen (global)

 

                    Mx [t]      My [t]      Mz [t]

--------------------------------------------------

Eigenmassen   :      0,000     192,180     192,180

Punktmassen   :      0,000       0,000       0,000

Massen aus LF :      0,000     149,888     149,888

--------------------------------------------------

Summe         :      0,000     342,068     342,068

Für die spätere Pushover-Berechnung sind u.a. horizontale statische Ersatzlasten erforderlich. Diese sind nach EN 1998‑1, Anhang B mit Hilfe der Massenbelegung und der Grundmodalform in die entsprechende Richtung auf die Massepunkte aufzubringen.

Dialog Berechnungseinstellungen - Dynamik: Pushover Berechnung EN 1998‑1

In dem Einstellungsdialog zur Dynamik sind neben dem Berechnungs­modus folgende Angaben er­for­der­lich:

•Wirkung der Massen: Das Tragwerk soll im Beispiel nicht in die x‑Richtung bzw. um die y‑Achse schwingen.
•Eigenwerte: Genügend Eigenwerte um die Grundmodalform in y‑Richtung zu erhalten.
•Bodenbeschleunigung: Die Massen wurden im Beispiel in y‑Richtung mit 0,45·g = 4,41 m/s² beschleunigt.
•Beiwerte nach EN 1998‑1:2013: Das im Beispiel verwendete elastische Antwortspektrum ist durch die abgebildeten Werte (S, TB, TC, TD, Dämpfungsmaß und γI) definiert.
•Vertikale Verteilung der H‑Lasten: Im Beispiel wird von einer modalen Verteilung der horizontalen Lasten (Modal y) aus­ge­gangen. Nach Norm, Abschnitt 4.3.3.4.2.2, ist zusätzlich eine konstante Verteilung der H‑Last (gleichmäßige Beschleunigungsantwort) zu untersuchen.
•Kontrollknoten: Nach Norm ist die Eigenform am Kontroll­knoten (üblicherweise in der Dachebene) auf 1 zu skalieren. Gemäß Abschnitt 4.3.3.4.2.3 und Anhang B ist der Kontroll­knoten auch zur Berechnung der äquivalenten Masse m* des Ein­massen­schwingers, der Verschiebungs- und Kapazitäts­kurve sowie des Trans­for­ma­ti­ons­bei­wer­tes Γ zu verwenden.

 

Hinweis:

Die dynamische Berechnung kann nur durchgeführt werden, wenn auf der Einstellungsseite Statik die Nichtlineare Systemanalyse abgeschaltet ist.

 

 

Nichtlineare Systemanalyse

Für die nichtlineare Pushover Berechnung werden Lastfälle benötigt, welche sowohl die statischen Lastanteile (G) als auch die zu steigernden horizontalen Lastanteile (Erdbeben) beinhalten. Die zu steigernden horizontalen Lastanteile (Modal.y oder Const.y) wurden bereits im Rahmen der dynamischen Berechnung ermittelt. Sie müssen noch Lastfällen zugeordnet werden und der Grad der Laststeigerung definiert werden. Im Allgemeinen werden die Lastanteile zunächst in getrennten Lastfällen definiert und anschließend durch eine Lastgruppe zusammen gefasst.

Dialog Lastdaten importieren - Pushover Horizontallasten

Import der horizontalen statischen Ersatzlasten in einen Lastfall

Eigenform 1 und importierte Lasten (Modal.y)

Eigenform 1 und importierte Lasten (Modal.y)

Dialog der Belastungsdaten

Nach dem Import in einen Lastfall müssen die Knotenlasten noch mit einem Last-Zeit-Verlauf versehen werden, da nur die horizontalen Knoten­lasten im Rahmen der nichtlinearen Analyse gesteigert werden sollen.

Last-Zeit-Verlauf 1

Beispiel für den
Last-Zeit-Verlauf

 

Der definierte Anstieg der Lasten ist für das Bogen­län­gen­ver­fah­ren ohne Bedeutung. Die vertikalen Lasten (G) sollen in allen Last­stufen konstant sein.

Dialog Lastgruppe (Lastfall 3): Pushover, Modal.y

Lastfall 3: Pushover, Modal.y

Für die nichtlineare Pushover Berechnung wird in diesem Beispiel exemplarisch ein Lastfall 3 durch eine Lastgruppe definiert.

Da das Tragwerk sich stark verformt, wird die Be­rech­nungs­theo­rie 2.Ordnung gewählt.

Um die Genauigkeit zu erhöhen, wurde die Feh­ler­schran­ke auf 0,1 % gesetzt.

In der Erdbebensituation wird im Allgemeinen von einer charakteristischen G‑Last ausgegangen (Last­faktor 1,0). Die maximale horizontale Verschiebung des Kon­troll­kno­tens sollte nach Abschnitt  4.3.3.4.2.3 etwa 150% der Ziel­ver­schie­bung dt erreichen.

In diesem Beispiel wird das Bo­gen­län­gen­ver­fah­ren verwendet. Die Größe der erreichten H‑Lasten ist neben dem eingestellten Faktor für Last­fall 2 Modal.y stark von den Parametern des Bo­gen­län­gen­ver­fah­rens ab­hän­gig. Das Vorzeichen des Faktors definiert die Lastrichtung (hier +y).

Des weiteren ist der zu den H‑Lasten passende Pushover Fall zu wählen (hier Modal y).

Dialog Nichtlineare Systemanalyse - Ge­brauchs­taug­lich­keit

In den Vorgaben zur Nichtlineare Systemanalyse / Ge­brauchs­taug­lich­keit wurden neben dem zu wäh­len­den Lastfall und der Be­rech­nungs­me­tho­de Bogenlänge folgende Einstellungen vor­ge­nom­men:

•Ausgangsbewehrung: Bei der Auswahl Null wird die Grundbewehrung der Beton­stahl­lagen der Querschnitte verwendet.
•Betonzugfestigkeit: Diese Option definiert für alle Beton­quer­schnitte das Ver­halten des Betons in der Zug­zone. In der Ver­gleichs­be­rech­nung wurde von einer an­zu­set­zen­den Beton­zug­festig­keit ausgegangen.
•Steuerung: Die hier gewählte Anzahl der In­kre­men­te von 85 muß in Verbindung mit den anderen Parametern des Bogen­län­gen­ver­fah­rens so gewählt werden, dass eine ausreichende horizontale Verschiebung des Kon­troll­kno­tens erreicht wird.
•Iterationen je Bogenlänge: Um zu verhindern, dass die Bogenlänge sehr klein wird wurde die Anzahl auf 10 erhöht.
•Initiale Bogenlänge: Diese wurde nach oben begrenzt, um genügend viele Zwi­schen­er­geb­nis­se im Last-Verschiebungs-Verlauf zu erhalten.

 

Ergebnisse

Im Anschluss an die beiden Berechnungsschritte steht neben den Knotenverformungen und Schnittgrößen je Laststufe die Kapazitätskurve im Mehrmassensystem und Spektraldarstellung zur Verfügung. Deren Linearisierung erfolgt iterativ gemäß EN 1998‑1, Abschnitt B.5. Die dargestellten Ergebnisse stehen in sehr guter Übereinstimmung mit den Ergebnissen von Matjaž Dolšek (m* = 227,9 t, Γ = 1,279, F = 1102 kN, T* = 0,87 s, dt* = 0,146 m, qu = 2,01).

Pushover Kapazitätskurve

Pushover Spektraldarstellung