Grundlagen

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Tragwerksanalyse für den Brandfall > Berechnung der Querschnittstemperaturen

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Die Berechnung der Temperaturverteilung in Festkörpern für den instationären Fall erfolgt über die Lösung der Wärme­leitungs­gleichung nach Fourier. Diese hat für den hier be­han­del­ten zweidimensionalen Fall den folgenden Aufbau:

Wärmeleitungsgleichung in Flächen nach Fourier (Gl. 1)

(1)

mit

t Zeit [s]
y, z Gebietskoordinaten [m]

 

Funktionen von y, z, t

θ Temperatur [°C]
ρ Rohdichte [kg/m³]
cp spez. Wärmekapazität [J/(kg K)]
λ Wärmeleitfähigkeit [W/(m K)]

 

Bei Flächenquerschnitten reduziert sich die Wärmeleitungsgleichung auf den eindimensionalen Fall mit der Koordinate z. Eine horizontale Wärmeleitung kann somit nicht erfasst werden. Hierfür müsste ein Volumenmodell herangezogen werden. Wärmequellen im Inneren des Integrationsgebiets werden bei Flächen­quer­schnitten nicht berücksichtigt. Da sämtliche Einflussgrößen zeitabhängig sind, ist ein Anfangswertproblem unter Be­rück­sich­ti­gung der Rand­bedingungen zu lösen. Als Anfangs­bedingung wird die Temperatur­verteilung zum Zeitpunkt t = 0 im Integrations­gebiet vor­ge­schrieben.

Nettowärmestrom an einem Stab- bzw. Flächenquerschnitt

Stabquerschnitt

Flächenquerschnitt

 

Für die hier zu behandelnden Problemstellungen werden die thermischen Einwirkungen haupt­säch­lich durch den Nettowärmestrom h⋅net [W/m²] normal zur Berandung bestimmt. Dieser setzt sich aus einem Konvektions- und einem Strahlungs­anteil zusammen.

h⋅net = h⋅net,c + h⋅net,r

(2)

 

Der konvektive Anteil berechnet sich zu:

h⋅net,c = αc (Θg ‑ Θm )

(3)

mit

αc Wärmeübergangskoeffizient [W/(m² K)]
Θg Gastemperatur in der Umgebung des beanspruchten Bauteils [°C]
Θm Temperatur an der Berandung des Bauteils [°C]

 

Bei der Berechnung des konvektiven Anteils am Innenrand eines Querschnittslochs wird im Zeitintervall von einer mittleren Gastemperatur ausgegangen.

 

Der Nettowärmestrom zwischen zwei Flächen infolge Strahlung berechnet sich zu:

h⋅net,r = Φ ⋅ ε1 ⋅ ε2 ⋅ σ ⋅ [(Θ1 + 273)4 ‑ (Θ2 + 273)4]

(4)

mit

Φ Konfigurationsfaktor
ε1, ε2 Emissivitäten der Bauteiloberflächen [‑]
σ Stephan-Boltzmann-Konstante [= 5,67⋅10‑8 W/(m2 K4)]
Θ1, Θ2 Temperaturen der Bauteiloberflächen [°C]

 

Der Konfigurationsfaktor wird durch die Oberflächen­geometrie, dem Abstand der Flächen sowie ggf. durch Abschattungs­effekte bestimmt. Die folgende Abbildung zeigt die zugrunde­liegenden Größen.

Graphische Darstellung der Parameter zur Berechnung des Konfigurationsfaktors

 

Der Konfigurationsfaktor kann hiermit wie folgt ermittelt werden:

Gleichung zur Berechnung des Konfigurationsfaktors (Gl. 5)

(5)

 

Im Falle der Strahlungseinwirkung durch Beflammung ergibt sich:

Φ = 1

ε1 = εm Emissivität der Bauteiloberfläche [‑]
ε2 = εf Emissivität der Flamme (hier εf = 1) [‑]
Θ1 = Θr Wirksame Stahlungstemperatur des Brandes (hier Θr = Θg) [°C]
Θ2 = Θm Oberflächentemperatur an der Berandung des Bauteils [°C]

 

Die Gastemperatur Θg eines Brandabschnittes wird als bekannt vorausgesetzt und ist in der Regel durch vorgegebene Temperatur­zeit­kurven definiert.

 

Das durch die Gleichungen (1) bis (5) gegebene nichtlineare Randwertproblem lässt sich nicht in geschlossener Form lösen. Zur Lösung wird die Methode der Finiten Elemente herangezogen. Hierzu wird das oben beschriebene Randwertproblem unter Verwendung der Methode von Galerkin und anschließender partieller Integration in ein System von Variationsgleichungen umgeformt.

Das Programmsystem verwendet kompatible Elemente mit einem vollständig quadra­ti­schen Ansatz. Daraus ergibt sich eine hohe Lösungsgenauigkeit, die weitgehend un­ab­hän­gig von der Netzgeometrie ist.

 

Der Elementansatz erfüllt die sogenannte adiabatische Randbedingung automatisch. D.h. wenn keine Randbedingung explizit vorgegeben wird, findet über diesen Rand kein Austausch von thermischer Energie statt.

 

Das nichtlineare Anfangswertproblem wird mit Hilfe einer Zeitschrittintegration in Verbindung mit einem inkrementellen Newton-Raphson-Algorithmus gelöst. Nach erfolgter Berechnung stehen die Temperaturprofile für alle untersuchten Zeitpunkte zur Weiter­ver­arbeitung zur Verfügung.