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Die nichtlineare Berechnung im Brandfall erfolgt nach dem Allgemeinen Rechenverfahren der Normen EN 1992‑1‑2, EN 1993‑1‑2 und EN 1995‑1‑2. Dabei wird davon ausgegangen, dass die mechanische Analyse unabhängig von der thermischen Berechnung durchgeführt werden kann. Basis für die Berechnung sind die vorab innerhalb der thermischen Querschnittsanalyse ermittelten Temperaturprofile entsprechend dem Kapitel Berechnung der Querschnittstemperaturen.
Da die wesentlichen Einflussgrößen zeit- und temperaturabhängig sind, wird bei der Nichtlinearen Systemanalyse für den Brandfall stets eine Zeitschrittberechnung durchgeführt. Dabei werden alle Querschnitte, für die eine thermische Berechnung vorliegt, gemäß den Vorgaben von EN 1992‑1‑2, EN 1993‑1‑2 bzw. EN 1995‑1‑2 behandelt. Für sämtliche querschnittsbezogenen Integrationen wird dabei der thermische Querschnitt herangezogen. Liegen für einen thermischen Querschnitt für einen Brandfall keine Temperaturprofile vor, so wird dieser unter Normaltemperatur (20°C) nach EN 1992‑1‑2, EN 1993‑1‑2 bzw. EN 1995‑1‑2 analysiert. Für alle übrigen Querschnitte gelten die Eigenschaften des Basisquerschnitts. Querschnittsteile des thermischen Querschnitts, die weder aus Stahl, Stahlbeton noch aus Holz bestehen, werden bei der mechanischen Analyse nicht berücksichtigt. Da zum Schubtragverhalten im Brandfall insbesondere bei Stahlbetonquerschnitten keine genaueren Erkenntnisse vorliegen, werden der Berechnung z.Zt. die Schub- und Torsionssteifigkeiten der Basisquerschnitte zugrundegelegt.
Das Programm rechnet nach der nichtlinearen Elastizitätstheorie. D.h. Be- und Entlastung folgen demselben Pfad.
Eine mögliche Festigkeitszunahme von Beton oder Holz in der Abkühlphase wird nicht berücksichtigt.
Auf der Widerstandsseite wird programmintern der Teilsicherheitsbeiwert für die Materialeigenschaften im Brandfall zu γM,fi = 1,0 gesetzt.
Auf der Einwirkungsseite (benutzerdefiniert) ist gemäß EN 1990 (Eurocode 0) folgende Einwirkungskombination im Brandfall zu berücksichtigen:
\begin{align*}
\sum_{\mathrm{j} \geq 1} G_{\mathrm{k}, \mathrm{j}}
\ "\!\!+\!"\ P\ "\!\!+\!"\ A_{\mathrm{d}}
\ "\!\!+\!"\ \left(\psi_{1,1} \operatorname{oder} \psi_{2,1}\right) \cdot Q_{\mathrm{k}, 1}
\ "\!\!+\!"\ \sum_{\mathrm{i}>1} \psi_{2, \mathrm{i}} \cdot Q_{\mathrm{k}, \mathrm{i}}
\end{align*}
dabei beinhaltet Ad neben den Temperaturauswirkungen auf die Baustoffeigenschaften auch die thermischen Dehnungen. Der Dehnungsansatz lautet:
εs = ε ‑ εth
mit
| ε | Gesamtdehnung |
| εs | Spannungserzeugende Dehnung |
| εth | thermische Dehnung |
Die nachfolgende Abbildung zeigt den Verlauf der thermischen Dehnung für Stahl, Beton und Holz in Abhängigkeit von der Temperatur.
Thermische Dehnung (1:Stahl; 2:Quarzhaltige Zuschläge; 3:Kalksteinhaltige Zuschläge; 4:Holz)
Die Temperaturabhängigkeit der Spannungs-Dehnungs-Linien für Beton verdeutlicht die folgende Abbildung. Eine Betonzugfestigkeit wird gemäß EN 1992‑1‑2 (Abschnitt 3.2.2.2) im Brandfall nicht berücksichtigt. Auch Kriech- und Schwindbeiwerte werden im Brandfall nicht angesetzt.
Bezogene Spannungs-Dehnungs-Linien für Beton mit quarzhaltigen Zuschlägen
Die Spannungs-Dehnungs-Linien für Stahl sind ebenfalls temperaturabhängig. Sie ergeben sich mit Bild 3.3 und Tabelle 3.2a aus EN 1992‑1‑2. Den Festigkeitsabfall bei erhöhten Temperaturen demonstriert die folgende Abbildung.
Festigkeitsabfall von Beton- und Baustahl bei erhöhten Temperaturen
In EN 1995‑1‑2 werden keine Angaben zum Spannungs-Dehnungs-Verhalten von Holz unter erhöhten Temperaturen gemacht. Gleichwohl wird die Erfassung nichtlinearen Materialverhaltens gefordert. Deshalb wird für Stabwerke die nachfolgende Spannungs-Dehnungs-Linie mit Entfestigung im Zugbereich und Fließen im Druckbereich verwendet. Die Festigkeiten fΘt, fΘc und die Elastizitätsmoduln EΘt, EΘc entsprechen EN 338:2016 bzw. EN 14080:2013 unter Berücksichtigung des temperaturabhängigen Festigkeitsabfalls. Hiermit ergibt sich insbesondere für biegebeanspruchte Bauteile eine Unterschätzung der Tragfähigkeit gegenüber dem Bemessungsverfahren gemäß EN 1995‑1‑2, Abschnitt 4.2. Ursache hierfür sind die geringeren Druck- und Zugfestigkeiten (fΘt, fΘc) des allgemeinen Berechnungsverfahrens gegenüber der mittleren Biegefestigkeit fm, welche beim vereinfachten Nachweis Anwendung findet.
Spannungs-Dehnungs-Linien für Holz
Festigkeitsabfall von Holz bei erhöhten Temperaturen
E‑Modul-Abfall von Holz bei erhöhten Temperaturen
Die Stabwerkstheorie hat das Ebenbleiben der Querschnitte zur Voraussetzung. Wegen der nichtlinearen thermischen Dehnungsverteilung über dem Querschnitt ergibt sich eine ebenfalls nichtlineare Verteilung der spannungserzeugenden Dehnungen. Die hieraus berechneten Spannungen werden über dem Querschnitt unter Zuhilfenahme der Elementierung zu Schnittgrößen integriert. Der nichtlineare Dehnungszustand wird während der Gleichgewichtsiteration durch Addition linearer Dehnungszustände solange variiert bis Gleichgewicht vorliegt. Diese Methode ist als Standardalgorithmus im Programm implementiert.
Eine alternative Vorgehensweise ist die Zugrundelegung einer sogenannten „Äquivalenten Temperatur“. Hierbei wird die bei der thermischen Berechnung ermittelte nichtlineare Temperaturverteilung durch eine Regressionsebene zuvor linearisiert und dann erst der Berechnung zugeführt. Mit diesem Ansatz bewegt man sich zwar vollständig im Rahmen der Stabwerkstheorie, wird jedoch insbesondere bei Stahlbetontragwerken den thermischen Einwirkungen nicht ausreichend gerecht, da der Einfluss der Steifigkeitsverteilung des gesamten Tragwerks auf die Lage der Regressionsebene nicht erfasst werden kann.
Bei Flächentragwerken wird analog zur nichtlinearen Analyse unter Normaltemperatur mit einem Schichtmodell gerechnet (Siehe "Nichtlineare Systemanalyse > Flächenelemente"). Hierbei wird das biachsiale Tragverhalten von Stahlbeton berücksichtigt. Für Flächentragwerke aus Stahl wird die Raghava-Fließbedingung unter Zugrundelegung temperaturabhängiger Festigkeiten angewendet. Flächentragwerke aus Holz können nicht analysiert werden.