Berechnungsverfahren

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Nichtlineare Systemanalyse > Grundlagen

Berechnungsverfahren

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Das verwendete Berechnungsmodell basiert auf der Finite-Elemente-Methode. Zur Durch­füh­rung der nichtlinearen System­analyse werden die Standard­stab­elemente intern durch schub­weiche, nicht­lineare Stäbe mit einem höheren Ver­schie­bungs­an­satz ersetzt. Für die Behandlung von Flächen- und Volumen­tragwerken werden nicht­lineare Schicht- bzw. Volumen­elemente verwendet. Im Ver­gleich zur linearen Berechnung ist, um den nicht­linearen oder gar unstetigen Eigen­schaften des Trag­werks Rechnung zu tragen, in der Regel eine feinere Ein­teilung er­for­der­lich. Das Programm geht davon aus, dass die in den Lastfällen definierten Einwirkungen bereits mit den entsprechenden Teilsicherheitsbeiwerten gewichtet sind.

 

Voraussetzungen

•Die Stäbe sind planmäßig gerade.
•Die Flächenelemente sind planmäßig eben.
•Der Flächen- bzw. Stabquerschnitt ist elementweise konstant.
•Die Querschnittsabmessungen sind klein gegenüber den übrigen System­ab­mes­sungen.
•Schubverformungen der Stäbe werden mit einer über den Querschnitt konstanten Schub­ver­zer­rung erfasst, d.h. der Querschnitt bleibt nach der Deformation eben, steht jedoch nicht mehr senkrecht auf der Stabachse.
•Die mathematische Krümmung wird linearisiert (Theorie 2. Ordnung).
•Die Belastung wird langsam auf ihren Endwert gesteigert und erfährt durch die System­ver­formung keine Richtungs­änderung.

 

Gleichgewichtsiteration

Zur Lösung des nichtlinearen Gleichungssystems kann sowohl die inkrementelle Newton-Raphson-Methode als auch das Bogenlängenverfahren verwendet werden. Bei beiden Verfahren wird in jedem Iterationszyklus die tangentiale Steifigkeitsmatrix in Abhängigkeit vom aktuellen Schnittgrößen- und Deformationszustand aufbereitet. Alternativ kann die Iteration mit konstanter Steifigkeitsmatrix (Linear Stiffness Method) erfolgen. Hierbei wird die Steifigkeitsmatrix nur einmal zu Beginn der numerischen Simulation aufbereitet und im weiteren Verlauf der Berechnung als konstant vorausgesetzt.

Es stehen folgende Berechnungsmethoden zur Auswahl:

•Newton-Methode:
Die Iteration erfolgt lastgesteuert bis das Residuum (Länge des Fehlervektors) eine geforderte Fehlerschranke un­ter­schrei­tet. Ist im Rahmen der maximal zulässigen Iterationsschritte je Laststufe die Grenze nicht eingehalten, wird die Iteration abgebrochen und lastgesteuert der aufnehmbare Lastfaktor (≤ 1.0) durch Intervall­schachtelung ermittelt.
•Newton-Methode in Zeitschritten (NTS):
Das Lösungsverfahren entspricht der Newton-Methode, nur dass für jeden Zeitschritt die zu diesem Zeitpunkt vor­lie­gen­de Belastung, entsprechend der definierten Last-Zeit-Verläufe, anders seien kann. Ausgehend von der Lösung des letzten Zeitschritts wird eine Lösung für den nächs­ten gesuchten Zeitpunkt ermittelt. Kann im Rahmen der maximal zulässigen Iterationsschritte je Laststufe die Fehler­schranke nicht unterschritten werden, wird durch Intervall­schachtelung die Lösung für einen Zwischen­zeit­punkt ermittelt.
•Bogenlängenverfahren (ARC):
Bei diesem Verfahren wird in jedem Iterationszyklus ausgehend vom letzten konvergierten Zustand die Lösung eines erweiterten nichtlinearen Gleichungssystems entlang eines Kreisbogens mit vorgegebenem Radius (Bogenlänge) gesucht. Infolge der zusätzlich zu berücksichtigenden Nebenbedingung (Gleichung einer verallgemeinerten Kugel) ergibt sich neben dem Verformungsvektor eine weitere Unbekannte - der Lastfaktor. Aufgrund der kombinierten last-verschiebungsgesteuerten Methode kann das Verhalten von Strukturen im überkritischen Bereich (inkl. Snap Through und Snap Back) analysiert werden. Falls im Rahmen der maximal zulässigen Iterationsschritte je Bogenlänge die Fehlerschranke nicht unterschritten werden kann, wird eine Lösung für eine kleinere Bogenlänge ermittelt. Das Ende des Berechnungsverlaufs wird entweder über die Anzahl der Inkremente (Bogenlängen, Iterationszyklen), den 1. Verzweigungspunkt, oder einen zu erreichenden Lastfaktor gesteuert.
Es besteht die Möglichkeit, die Laststeigerung innerhalb eines Lastfalls nur für ausgewählte Lastanteile vorzunehmen. Dazu muss diesen Lasten ein beliebiger Last-Zeit-Verlauf zugeordnet werden. Alle anderen Lasten wirken konstant. Der Verlauf der Last-Zeit-Funktion ist dabei ohne Bedeutung.

 

Die nachfolgenden Abbildungen zeigen den unterschiedlichen Iterationsverlauf am Beispiel eines Stabes mit einem Freiheitsgrad.

Newton-Methode mit tangentialer Steifigkeit        Newton-Methode mit konstanter Steifigkeit

Newton-Methode mit tangentialer SteifigkeitNewton-Methode mit konstanter Steifigkeit

Newton-Methode mit Zeitschritten und tangentialer Steifigkeit        Bogenlängen-Methode mit tangentialer Steifigkeit

Newton-Methode mit Zeitschritten und tangentialer SteifigkeitBogenlängen-Methode mit tangentialer Steifigkeit

 

Bei einem Nachweis am Gesamtsystem gemäß ÖNORM B4700 (Abschnitt 3.4.3.3) ist darauf zu achten, dass die maßgebende Einwirkungs­kombination nur 80% der erreich­baren System­trag­last betragen darf. Dies kann z.B. mit einem zusätzlichen Lastfaktor von 1,25 erreicht werden.

Bei Stahlbetonbauteilen wird die vorhandene Bewehrung der Berechnung zugrunde gelegt. Auf Wunsch kann bei Stabwerken zur Erzielung des gewünschten Lastniveaus im Trag­fähig­keits­nach­weis eine automatische Bewehrungs­er­höhung durch­ge­führt werden.