Substrukturtechnik

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Substrukturtechnik

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Die Substrukturtechnik stellt eine alternative direkte Lösungsmethode dar. Bei be­son­de­ren Tragwerks­modellen wie z.B. Hochhäusern, deren Geschoss­decken über die auf­ge­hen­den Bauteile (Wände und Stützen) nur schwach gekoppelt sind, zeichnet sie sich ge­gen­über dem Standard-Gleichungslöser durch reduzierten Speicherbedarf aus.

Der Grundgedanke dieser Methode besteht darin, das Trag­werks­modell in eine Anzahl von Sub­struk­tur­en zu zerlegen, welche über gemeinsame (globale) Knoten gekoppelt sind. Fest­haltungen und Koppelknoten sind grundsätzlich globale Knoten. Die Frei­heits­grade aller übrigen (lokalen) Knoten einer Substruktur können nach Kon­den­sie­rung als Funktion der globalen Knoten­freiheits­grade ausgedrückt werden. Die nach­folgende Abbildung zeigt ein einfaches Tragwerk mit einer möglichen Sub­struk­tur­ein­teilung. In InfoCAD werden die Substrukturen durch die Layernummer definiert.

Substruktureinteilung eines Regenrückhaltebeckens in Explosionsdarstellung

Substruktureinteilung eines Regenrückhaltebeckens in Explosionsdarstellung

Als Ergebnis des Kondensationsprozesses erhält man Subelement­matrizen, die nur noch globale Knoten­freiheits­grade enthalten. Diese werden anschließend in die Gesamt­stei­fig­keits- bzw. Gesamt­massen­matrix der globalen Knoten­frei­heits­grade einsortiert. Mit dem Lastvektor wird in ähnlicher Weise verfahren. Nach Berechnung der globalen Knoten­frei­heits­grade können die lokalen Freiheits­grade aus den Subelement­matrizen ermittelt werden.

 

Kondensationsprozess für statische Probleme

Der Kondensationsprozess stellt sich formal folgendermaßen dar:

1.Gleichungssystem für eine Substruktur aufbauen
K · u = b
2.Trennung lokaler (Index l) und globaler (Index g) Freiheitsgrade
Gesamtsteifigkeitsmatrix mit lokalen (l) und globalen (g) Freiheitsgraden - statik
3.Elimination der lokalen Freiheitsgrade einer Substruktur
Kondensierte Steifigkeitsmatrix K(kond.) mit Elimination der lokalen Freiheitsgrade einer Substruktur        Kondensierter Lastvektor b(kond.) mit Elimination der lokalen Freiheitsgrade einer Substruktur - statik

kondensierte Steifigkeitsmatrix        kondensierter Lastvektor

4.Aufbau und Lösung der Gesamtsteifigkeitsmatrix der globalen Knotenfreiheitsgrade
5.Berechnung der lokalen Freiheitsgrade der Substrukturen
Gleichung zur Berechnung der lokalen Freiheitsgrade ul der Substrukturen - statik

 

Kondensationsprozess für dynamische Eigenwertprobleme

Der Kondensationsprozess stellt sich formal folgendermaßen dar:

1.Eigenwertproblem für eine Substruktur formulieren
K · u = λ · M · u
2.Trennung lokaler (Index l) und globaler (Index g) Freiheitsgrade
Gesamtsteifigkeitsmatrix mit lokalen (l) und globalen (g) Freiheitsgraden - dynamisches Eigenwertproblem
3.Elimination der lokalen Freiheitsgrade
Gleichung zur Berechnung der lokalen Freiheitsgrade ul der Substrukturen - dynamisches Eigenwertproblem

Da der Eigenwert λ unbekannt ist, wird er im Sinne einer statischen Kondensation gleich Null gesetzt. Daraus ergeben sich folgende kondensierte Subelementmatrizen:

Kondensierte Steifigkeitsmatrix K(kond.) mit Elimination der lokalen Freiheitsgrade einer Substruktur

kondensierte Steifigkeitsmatrix

Kondensierte Massenmatrix M(kond.) mit Elimination der lokalen Freiheitsgrade einer Substruktur - dynamisches Eigenwertproblem

kondensierte Massenmatrix

4.Aufbau der Gesamtsteifigkeits- und Gesamtmassenmatrix der globalen Freiheitsgrade. Lösung des Eigenwertproblems für die globalen Freiheitsgrade.
5.Berechnung der lokalen Freiheitsgrade der Eigenvektoren der Substrukturen.

Da bei der Kondensation der Eigenwert λ zu Null gesetzt wurde, liefert das kondensierte Eigen­wert­problem nicht die exakten Eigen­werte. Für Schwingungs­formen, deren we­sent­li­chen Anteile durch die globalen Freiheits­grade bestimmt werden, ergeben sich diese jedoch mit aus­reichender Genauig­keit.

Der wesentliche Vorteil des beschriebenen Verfahrens besteht darin, dass die Gesamt­stei­fig­keits- und Gesamt­massen­matrix aller Knotenfreiheitsgrade zu keiner Zeit benötigt werden, und somit der Speicher­platz­bedarf und die Rechenzeit i.d.R. erheblich geringer sind. Es wird jedoch darauf hin­ge­wiesen, dass sich bei ungünstigem Verhältnis von globalen zu lokalen Knoten auch höhere Rechen­zeiten bzw. ein erhöhter Speicher­platz­be­darf ergeben können. Die Anwendung der Sub­struktur­technik ist grund­sätz­lich erst bei großen Tragwerksmodellen sinnvoll, da der beschriebene Prozess gegenüber der herkömmlichen Lösung einen deutlich höheren Verwaltungs­auf­wand nach sich zieht. Um sich vorab einen Überblick über die Sub­struktur-Topologie zu verschaffen, kann bei den Ein­stellung­en zur Berechnung ein Informations­protokoll an­ge­fordert werden, welches Aufschluss über die Größe und die Anzahl lokaler bzw. globaler Knoten einer Substruktur gibt. Nachfolgend ist für das oben gezeigte Rück­halte­becken eine solche Liste ab­ge­druckt.

 

Systemkenngrößen Gesamtsystem

 

Knoten                 488

Elemente               458

Unbekannte             144

Bandbreite            2928

Steifigkeitsmatrix     2,7 MB

 

 

Aufbau der Substrukturen

 

Sub-        globale  lokale    Ele-    Band-    Steifigkeits-

struktur    Knoten   Knoten    mente   breite   matrix

-------------------------------------------------------------

  1             60      171       200      66      2,5 MB

  2             30       79        84      48    622,9 KB

  3             30       79        84      48    622,6 KB

  4             21       45        50      60    308,1 KB

  5             19       36        40      48    221,1 KB

Man erkennt, dass bei diesem Beispiel die Anwendung der Substrukturierung keine Vor­teile gegen­über einer Berechnung als Gesamtsystem bietet. Grundsätzlich sollten die Sub­struk­turen so aus­ge­legt werden, dass der Speicherplatzbedarf der Steifigkeitsmatrix einer Substruktur geringer ist als der verfügbare Kernspeicher, da sonst der Kon­den­sie­rungs­prozess sehr zeitintensiv ist.