Theorie 2. und 3. Ordnung

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Theorie 2. und 3. Ordnung

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Das Programmmodul Theorie 2. oder 3. Ordnung ist eine Erweiterung des Finite-Element-Pro­gramms und er­mög­licht die Lösung der nachfolgenden geometrisch nichtlinearen Problem­stellungen:

Stabknicken und Kippen.
Hierbei können die Stabkräfte auf die verformte oder unverformte Stabsehne be­zo­gen sein.
Platten- und Schalenbeulen.
Berechnung kombinierter Tragwerke nach der Theorie 2. Ordnung (Gleichgewicht am verformten System mit der Annahme kleiner Verformungen (sin φ = φ und cos φ = 1)).
Berechnung kombinierter Tragwerke nach der Theorie 3. Ordnung (Gleichgewicht am verformten System mit der Annahme großer Verformungen).

Die Gleichgewichtsiteration erfolgt nach dem Lagrange’schen Verfahren unter Zu­grun­de­le­gung der totalen tangentialen Steifig­keits­matrix nach der Theorie 2. oder 3. Ordnung. Bei der Berechnung nach Theorie 3. Ordnung erfasst der verwendete Deh­nungs­an­satz (Green Dehnung) große Verformungen aber nur kleine Dehnungen. Das Verfahren kon­ver­giert i.d.R. bereits nach wenigen Iterationsschritten. Stabi­li­täts­ver­sagen wird durch Singularität der Gesamt­steifig­keits­matrix angezeigt.

 

Es gelten die folgenden Voraussetzungen:

Die Stäbe sind planmäßig gerade.
Die Flächenelemente sind planmäßig eben.
Der Flächen- bzw. Stabquerschnitt ist elementweise konstant.
Querschnittsabmessungen sind klein gegenüber den System­ab­messungen.
Die Querschnittsform eines Stabelements bleibt bei der Trag­werks­ver­formung unverändert, d.h. auch Quer­schnitts­ver­wöl­bun­gen werden nicht berücksichtigt.
Deformationen sind klein gegenüber den übrigen Abmessungen (Theorie 2. Ordnung).
Die mathematische Krümmung wird linearisiert (Theorie 2. Ordnung).
Die Belastung wird langsam auf ihren Endwert gesteigert und erfährt durch die System­ver­formung keine Richtungs­änderung.
Es wird nicht der iterative Gleichungs­löser oder einer konstante Steifigkeitsmatrix ver­wen­det. Diese können ein Versagen nicht un­mittel­bar fest­stellen.

 

Zur Berücksichtigung der Einflüsse nach Theorie 2. oder 3. Ordnung wird die tangentiale Steifigkeitsmatrix KT benötigt. Diese wird durch Formulierung der linearisierten virtuellen Arbeit und Variation nach den Knoten­frei­heits­gra­den ge­won­nen.

 

Es gilt in allgemeiner Form:

KT   =

KG

+

K0

+

KL


geometrische
Matrix

Matrix für
kleine Verformungen

Matrix für
große Verformungen

 

sowie in anderer Schreibweise:

Gleichung der tangentiale Steifigkeitsmatrix KT

mit

B0Differentialoperator (Theorie 1. Ordnung)
BGDifferentialoperator (Theorie 2. Ordnung)
BLDifferentialoperator (Theorie 3. Ordnung)
DElastizitätsmatrix
SSpannungsmatrix

 

Bei der Berechnung nach Theorie 2. Ordnung wird die Matrix für große Verformungen (Theorie 3. Ordnung) vernachlässigt. Bei Theorie 3. Ordnung werden alle Terme berücksichtigt.

Die Matrizen KG und KL sind im Gegensatz zur linearen Matrix K0 Funktionen der un­be­kannten Knoten­ver­schie­bun­gen, da die Span­nungs­matrix S und der Differentialoperator BL diese enthält. Deshalb ist, wie bereits oben erwähnt, eine iterative Lösung erforderlich.

 

 

Ansatz für Stabelemente

Die Steifigkeitsmatrix des räumlichen Stabelementes wird auch durch Formulierung der virtuellen Arbeit der inneren Kraftgrößen gewonnen. Für die Verformungen im Stab­system (u, v, w, φ) gelten folgende Vor­zeichen:

Verformungen im Stabsystem (u, v, w, φ)

Es gilt:

Arbeitsgleichung für Stabelemente

 (Normalspannungen)  (St. Venant'sche Torsion)

 

mit

Gleichung für die Dehnung ε

σx        =        E ( u' – y v'' – z w'' ) (linearisiert)

Mx        =        G Ix φ'

 

Nach Einführung der oben genannten Beziehungen, Vernachlässigung von Größen höherer Ordnung, Durch­führung der Variation und Integration der quer­schnitts­ab­hän­gi­gen Größen ergibt sich:

Arbeitsgleichung für Stabelemente - Lineare Anteile aus Normalkraft und Biegung

(Lineare Anteile aus Normalkraft und Biegung)

Arbeitsgleichung für Stabelemente - Linearer Anteil aus St. Venant&#39;scher Torsion

(Linearer Anteil aus St. Venant'scher Torsion)

Arbeitsgleichung für Stabelemente - Geometrisch nichtlineare Anteile (Teil 1)

Arbeitsgleichung für Stabelemente - Geometrisch nichtlineare Anteile (Teil 2)

Arbeitsgleichung für Stabelemente - Geometrisch nichtlineare Anteile (Teil3)

(Geometrisch nichtlineare Anteile)

Das Querschnittsintegral Mrr (Kindmann) hat die Bedeutung

Querschnittsintegral Mrr (Kindmann)

und kann formal als Schnittgröße angesehen werden.

Da die Berücksichtigung vom Mrr in der Elementsteifigkeitsmatrix die Bereitstellung von zu­sätz­lich­en Quer­schnitts­größen erfordert, die im allgemeinen Fall nur durch aufwendige Integration gewonnen werden kann, wird dessen Einfluss zur Zeit vernachlässigt. Die Wirkungsweise der übrigen Schnittgrößen entspricht den in der Baustatik üblichen Kon­vention­en.

Der erste Term des geometrisch nichtlinearen Anteils wird nur bei der Berechnung nach Theorie 3. Ordnung berücksichtigt.

Die Stabkräfte (Nx, Qy, Qz) nach Theorie 2. Ordnung beziehen sich, wenn nichts abweichendes definiert wurde, auf die unverformte Stab­sehne. Schnittgrößen nach Theorie 3. Ordnung sowie nach 2. Ordnung mit der nichtlinearen Systemanalyse sind immer auf die verformte Stabsehne bezogen.

Um die Integration durchführen zu können, werden die vier unabhängigen Ver­for­mungs­funk­ti­o­nen durch Inter­polations­polynome der Knoten­ver­for­mungen ersetzt. Für u(x) und φ(x) wird ein linearer Inter­polations­ansatz, für v(x) und w(x) ein kubischer An­satz gewählt.

 

Nichtlineare Iteration

Die geometrisch nichtlinearen Terme der Arbeitsgleichung werden durch Einführung der Schnitt­größen Nx, My, Mz, Mrr linearisiert. Zur Erfassung der Nichtlinearitäten wird demzufolge im Programm eine Iteration über die Schnittgrößen durch wiederholten Aufbau der Element­steifig­keits­matrizen durchgeführt. Kon­ver­genz­krite­ri­um ist dabei die Länge des Fehler­vektors, das Residuum. Die genannten Ansatzfunktionen gewährleisten bei einer Berechnung nach Theorie 1. Ordnung theoretisch exakte Resultate.

Bei einer Systemanalyse nach Theorie 2. bzw. 3. Ordnung geben die Interpolations­polynome je­doch nur einen genäherten Verlauf der Verformungen wieder. Für hochbeanspruchte Bauteile ist deshalb eine verfeinerte Diskretisierung, d.h. mindestens ein Zwischen­knoten je Druckstab, zu empfehlen.